HST vom 07.04.2012

Eine besondere Fernbeziehung
 Präsente für Sepp Maier: Max Hoffer (links) und Arthur Grimm (rechts) sind nicht mit leeren Händen zur Bayern-Legende gereist. Fotos: Florian Huber
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Fussball Unterwegs mit einem Fanclub, der zu jedem Spiel nach München fährt
Von Florian Huber
Morgens um sieben ist die Welt noch in Dortmund“, hat Bayern-Legende Sepp Maier vor Jahren einmal gesagt. Stimmt nicht. Am Samstagmorgen um 6.30 Uhr ist die Welt noch in Offenau. Heimspielsamstag. Wie alle zwei Wochen steigen 60 Fans des Fanclubs Kornlupfer Bazi Offenau in einen Bus – ab nach München.
Es ist dunkel, es ist kalt. Die strammen Männer-Waden, die aus der Krachledernen herausschauen, sind von einer Gänsehaut überzogen. So wie bei Max Hoffer, dem Vorstand. Dass alle ein bisschen euphorischer, ein bisschen aufgeregter als sonst sind, das liegt nicht am Gegner Köln. Oder am Oktoberfest. Sondern am ersten Reiseziel: Anzing. Vor dem Spiel steht ein Besuch bei Sepp Maier an. Sonst starten sie samstags um 9.30 Uhr. Immer der gleiche Weg. Jedes Schild, jeden Baum entlang der Strecke kennen sie mittlerweile. Durch den Bus dröhnen Lieder über Kahn und Rummenigge. Der Stern des Südens wird besungen. Immer am gleichen Rasthof, in Greding, macht die Karawane Halt. Dann packen Hoffer und Co einen großen Tisch aus. Es gibt Fleischkäse oder Fleischküchle. Verdeckt, hinterm Bus. „Der Rasthofbetreiber sieht das nämlich nicht so gern“, sagt Max Hoffer.
Die A8 ist tabu 310 Kilometer sind es von Offenau nach München über die A6 und A9. Seit drei Jahren macht sich eine ganze Busladung des Fanclubs auf den Weg. Zu jedem Heimspiel. Egal, ob Champions-League gegen Barcelona oder Bundesligaalltag gegen Bochum an einem tristen Dezemberabend. „Einmal hat der Busfahrer gemeint, er muss über Stuttgart und Ulm fahren“, erzählt der Bad Friedrichshaller Hoffer: „Erst zur zweiten Hälfte waren wir im Stadion.“ Zweierlei hat sich seitdem geändert: Der Busfahrer ist neu – und die Route über die A8 und Stuttgart so tabu, wie der dortige VfB. 10.30 Uhr, der erste Bierkasten ist geleert. Ankunft in Anzing. In Sepp Maiers Tennishalle hängt unter der Uhr ein lebensgroßes Porträtbild von Franz-Josef Strauß. Willkommen in Bayern.
 Daheim in Anzing, zwischen röhrendem Hirsch und Miniatur-Weltpokal. Die Tennishalle von Sepp Maier dient auch als Fußballmuseum – und Fotoobjekt.
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Katze von Anzing: „Mein Freund Sepp...“, beginnen die meisten Sätze von Arthur Grimm an diesem Morgen. Vor 40 Jahren lernte der Herbolzheimer auf Montage in München Maier kennen. „Damals bist du mit den Spielern nach dem Spiel in der Vereinsgaststätte zusammengesessen“, sagt Grimm. Maier verspätet sich. Die einzige Katze, die sich blicken lässt, ist schwarz – und tapst über einen der 13 Tennisplätze auf Maiers Anlage. Die hungrigen Fanmägen werden mit Schweinsbraten und Knödel gefüllt. „Nur dem Arthur zuliebe mach’ ich solch einen Affenzirkus mit“, sagt Maier, als er dann da ist. Aus Fußballfans werden wieder kleine Jungs, die vor dem Fußballidol ihrer Kindheit Schlange stehen, wie früher vor dem Weihnachtsmann. Eine Stunde lang signiert Maier Fotos, auf denen er Enten jagt, Pokale in den Himmel reckt oder den Clown gibt. Hunderte von Fotos werden geschossen.
13.30 Uhr – Zeit zum Aufbruch. Ab nach Fröttmaning. Ab in die Arena. Maier bleibt in Anzing. Seit Jürgen Klinsmann ihn nicht nur als Bundestorwart-Trainer, sondern in selber Funktion auch bei den Bayern absägte, bleibt er häufig daheim. Ein bayrischer Dickschädel halt. 14 Uhr, Ankunft Allianz-Arena. Dann ein träges 0:0 gegen Köln. Die Stimmung leidet nur kurz. „Man fragt sich schon: Warum tue ich mir das an?“, sagt Walter Krebs aus Heilbronn: „Aber in zwei Wochen sitzt man dann wieder hier.“
Weit über 10 000 Kilometer pro Saison beansprucht die Fernbeziehung. Zum Sportstudio im ZDF sind sie meistens wieder daheim. Bis zum nächsten Heimspiel. „Wenn man in den Bus steigt, dann lässt du die ganze Woche hinter dir, einfach alles“, sagt Marcus Klenk aus Lauffen. Ende Oktober gegen Frankfurt ist übrigens auch eine 80-Jährige mit dabei. „Ihr größter Wunsch ist es, einmal die Bayern zu sehen“, sagt Max Hoffer. Wunsch erfüllt.
Horror oder Freudentanz
Heilbronner Stimme - 23.05.2009
Von Andreas Tschürtz
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Will die sechste Meisterschaft mit dem VfB, aber auf jeden Fall gegen die Bayern gewinnen: Siegfried Lang vom VfB-FanclubZaberschwaben 1979.Fotos: Andreas Tschürtz | | Kann, obwohl Schwabe, nichts daran ändern, dass sein Herz schon immer für den FC Bayern München schlägt: Max Hoffer vom FCB-Fanclub Kornlupfer Bazi Offenau.
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Fußball - Wen interessiert schon Wolfsburg? Am Tag des großen Saison-Finales haben Siegfried Lang und Max Hoffer vor allem den direkten Rivalen im Blick: VfB-Fan Lang die Bayern. FCB-Fan Hoffer die Stuttgarter.
Die direkte Qualifikation für die europäische Königsklasse ist für sie der Spatz in der Hand, der Titel nur die Taube auf dem Dach. Dass die Wölfe patzen, glaubt keiner von beiden. „Der Magath kriegt das über die Bühne“, sagt Lang (47) aus Pfaffenhofen-Weiler. „Die Champions League ist das Ziel.“ Max Hoffer aus Bad Friedrichshall-Untergriesheim (54) stimmt zu, freilich unter anderen Vorzeichen. „Wichtig ist, dass wir vor dem VfB bleiben. Alles andere ist Zubrot.“
Schlagabtausch
Klar ist für beide, dass sie im Stadion dabei sind, wenn das Spiel der Spiele in München angepfiffen wird. Lang, seit 30 Jahren Vorsitzender vom Fanclub Zaberschwaben, wird mit gut 50 Mitgliedern in der Nordkurve stehen. Hoffer, im Vorstand der Kornlupfer Bazi Offenau, mit ebenso vielen Unterländer FCB-Fans in der Südkurve.
Glaubt man dem Zaberschwaben-Chef, stehen die Chancen, dass er nach dem Spiel „auf dem Marienplatz tanzen kann“, nicht schlecht: „Wenn man den Ribéry in den Griff bekommt, ist Bayern zu schlagen. Das ist der Einzige, der was kann.“ Beim Rest sieht er nur darin Konstanz, „nicht zu überzeugen“.
Dass Ribéry eine Schlüsselfigur ist, glaubt auch Kornlupfer-Bazi-Vorstand Max Hoffer. „Wenn man ihn ausschaltet, ist das schon so gut wie die halbe Miete.“ Aber eine Schwachstelle habe auch der VfB: „Auf der Gegenseite steht ja nicht gerade eine Granate im Tor. Der Herr Lehmann hat egal mit welcher Mannschaft in München immer ein Päckchen bekommen.“
Herz für den FCB
Er könne ja nichts dafür, dass sein Herz seit 40 Jahren für München schlage, sagt Hoffer. Sowas suche man sich ja nicht aus. „Soll ich für Hoffenheim sein, weil das vor der Haustüre liegt und die jetzt Erfolg haben?“ Lieber mit dem FCB in die Zweite Liga - ein Treueschwur, der wohl kaum je auf die Probe gestellt werden wird.
An der Heilbronner Polizei werden die Unterstützungsbemühungen der Kornlupfer Bazi nicht scheitern. Auch sie zeigt Herz und wird den Bus der Bayern-Fans nicht aufhalten, auch wenn man „zu 90 Prozent hinter dem VfB steht“, sagt Sprecher Rainer Köller. Eine spontane Meisterschaftsfeier in Heilbronn erwartet die Polizei übrigens nicht. „Auch wenn der VfB gewinnt, gehen wir nicht davon aus, dass Wolfsburg verliert.“ Mit dem diensthabenden Personal glaubt sich die Polizei für alle Eventualitäten gerüstet. Die Erfahrungen aus dem Titelgewinn von vor zwei Jahren hätten schließlich gezeigt: „Die Fans, die feiern wollen, fahren nach Stuttgart.“
Himmel und Hölle
Siegfried Lang hat für den Fall, dass der VfB doch den Titel holt, keine Pläne außer Freudentänzen. Max Hoffer würde die Bayern-Fahne vor seinem Haus „im Geschäft an einem Kran aufhängen“, sagt der Audianer. Den Titelgewinn für den VfB nennt er dagegen „den größten Horror“, den er sich vorstellen kann. „Dann wird es für mich sehr schwer im Geschäft.“
Public Viewing
In Stuttgart gibt es diesmal keine öffentliche Übertragung des Spiels auf dem Schlossplatz. Im Fall der Meisterschaft wird die Mercedesstraße zur Fanmeile. Die größte öffentliche Übertragung findet mit bis zu 10.000 erwarteten Zuschauern im Biergarten des Oberen Schlossgartens statt. In Heilbronn und der Region zeigen zahlreiche Gaststätten Fernsehübertragungen des Spiels. SWR 1 berichtet in seiner samstäglichen Radio-Sportsendung live.